Impuls zu Epiphanias (6. Januar)

„Licht! Steuerbord voraus!“ – In Dunkelheit und dichtem Nebel lässt der Admiral einer Kriegsflotte eine Warnung senden: „Sie sind auf Kollisionskurs! Drehen Sie ab!“ Die lapidare Antwort: „Ändern Sie Ihren Kurs!“ Das bringt den Admiral auf 180: „Wir sind das größte Schiff einer Flotte mit drei Zerstörern und mehreren Begleitschiffen. Drehen Sie ab!“ Die gelassene Antwort: „Größtes Schiff der Flotte, bei allem Respekt: Ändern Sie ihren Kurs! Dies ist der Leuchtturm!“

Licht ins Dunkel bringen – in der Bibel begegnet diese „einleuchtende“ Metapher immer wieder: Licht im Dunkel steht für Erkenntnis der Wahrheit, Aufdeckung eines Geheimnisses, Orientierung, Hoffnung. Am 6. Januar (dem Epiphaniasfest), wird das in einer Geschichte gebündelt: drei Weise folgen einem Stern und finden das Christuskind, das „Licht der Welt“. Später wird dieser Christus seinen Jüngerinnen und Jüngern sagen: „Ihr seid Licht für diese Welt.“

Das Bild vom Licht markiert unseren Auftrag bis heute: sichtbar wie eine Stadt auf dem Berg sollen wir ins Dunkel leuchten. Man kann auch sagen: Wir sollen Leuchttürme sein. Selbst wenn große, beeindruckende „Schiffe“ auf Größe und Bedeutung pochen, bleibt unsere Botschaft freundlich und klar: „Ändert euren Kurs. Wir sind der Leuchtturm.“ Egal wo wir arbeiten – bei der Polizei, in der Kirche, am Schreibtisch, auf der Straße … : Wir sind Leuchtturmwärter Gottes.

Dr. Karsten Dittmann, Polizeipfarrer

 

 

Beitragsbilder:
– Anbetung der Könige (unbekannter Künstler um 1570), Wikimedia
– Leuchtturm: Kanenori /Pixabay

Impuls zum neuen Jahr

„Siehe ich mache alles neu!“ Diese Zusage lädt ein, nicht im Alten zu verharren: nicht im Zynismus, nicht in der Angst, nicht in der Resignation. Wir können heute schon anfangen, anders zu leben – mutiger, barmherziger, hoffnungsvoller. Mitten in einer unruhigen Welt gilt: Das Letzte hat nicht das Chaos, sondern Gott. Und er sagt: Siehe, ich mache alles neu.

Dieser Satz klingt wie ein Gegenentwurf zu den täglichen Schlagzeilen. Während wir eine Welt erleben, die von Krisen, Kriegen, Klimasorgen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, spricht Gott kein Durchhalte-Mantra, sondern eine Verheißung: Veränderung ist möglich. Gott sieht die Risse unserer Zeit – und erklärt sie nicht zum Ende der Geschichte. „It´s a new dawn, it´s a new day“ singt Cynthia Erivo bei den Proms `22. Das Neue kommt nicht, weil wir alles im Griff haben, sondern weil Gott handelt. Wo Scherben sind darf und kann etwas neues entstehen – die Japaner nennen das „Kintsugi“: Die Kunst des goldenen Zusammensetzens.

Stephan Draheim
Landespolizeipfarrer der Ev. Kirche v. Westf.

Impuls zu Weihnachten

Das öffentliche Leben kommt zur Ruhe,
die ein Zuhause haben, versammeln sich dort,
viele freuen sich auf diesen Abend und erhoffen Gutes:
Friede untereinander, strahlende Gesichter, staunende Kinder …

Aber an manchen Orten sind Menschen bei der Arbeit wie jeden Tag:
Im Krankenhaus, bei der Feuerwehr und natürlich:
Bei der Polizei!
Sie wissen: Es werden Einsätze kommen.
Weil – gerade an diesem Abend – so manche Situation eskaliert
und Hilfe gebraucht wird.

„Stille Nacht, Heilige Nacht“ …?

Nicht für Sie.
Oder doch:
Als Sehnsuchtslied!
Als Lied gegen die Krisen in der Welt.
Genauso ist es entstanden vor 200 Jahren.
Und hat den Glanz der Weihnacht in düstere Zeiten gebracht.

Möge diese Sehnsucht nicht nachlassen
– auch nicht in Ihrer polizeilichen Arbeit:
Gegen die Krisen und für den Frieden
in den Familien und auf den Plätzen,
im Öffentlichen wie im Verborgenen.

Möge die Botschaft von Weihnachten spürbar werden und Sie stärken
im Dienst – und natürlich im Privaten!

Segensreiche Weihnacht wünscht Ihnen für das Team der Polizeiseelsorge NRW
Judith Palm

Impuls zum 4. Advent

Der vierte Advent wirft Fragen auf.

Kommt er?
Wenn ja, wer kommt?
Und dann ja auch: Was bringt er?
Wie soll das alles werden?
Wohin mit dem ganzen Unguten?
Was kann ich tun?
Was, wenn es gelingt?

Friedefürst.
Sehnsüchtig erwartet.

Pfarrerin Stefanie Alkier-Karweick

Bild: pixabay.com

Weihnachtsgruß der Polizeiseelsorge

Der Mensch heißt Mensch,
weil er wärmt, wenn er erzählt,
weil er lacht, irrt und kämpft,
hofft und liebt, mitfühlt und vergibt;
sich anlehnt und vertraut;
weil er erinnert, weil er lebt.

Herbert Grönemeyer bringt es auf den Punkt: All das tun Menschen jeden Tag. Und Ihr alle in der Polizei kennt diesen Mix. Zuhause. Im Büro. Auf der Straße. In der Wache. Mitfühlen, irren, kämpfen, hoffen gehört zum Alltag. Und manchmal auch sich anlehnen beim Kollegen, bei der Kollegin. Weil es einfach zu viel ist, weil manches weh tut.

Und genau da, wo es weh tut, feiern wir Weihnachten. Mit Frieden und Freude? Ja, weil es immer wieder friedvolle und glückliche Momente gibt, mitten im Unperfekten. Halt so, wie es in der Weihnachtsgeschichte erzählt wird. Gott als Säugling in der Futterkrippe im Stall von Bethlehem als Notunterkunft. Genau dort entsteht im Durcheinander Ruhe und Gemeinschaft. Vielleicht ist es bei euch ähnlich, zuhause oder sogar im Dienst: mitten im Weihnachtstrubel, wenn Ihr erzählt, euch erinnert, zusammen lacht.

Es wird Weihnachten – und das ist gut so!

Friedliche und frohe Weihnachten Euch und Euren Lieben und bleibt auch im Jahr 2026 behütet!

Euer Team der Polizeiseelsorge NRW

Impuls zum 3. Advent

Manche Gedanken sind zu schön, um auf sie zu verzichten.

Die Idee von einer Welt, in der alle bekommen, was sie zum Leben brauchen. Auch die märchenhafte Vorstellung, dass die Guten am Ende belohnt und die Bösen bestraft werden. Der Gedanke, dass da jemand ist, der über mich wacht. Die Sportfreunde Stiller singen in einem ihrer Songs: „Ich finde den Gedanken viel zu schön, viel zu schön, um ohne ihn weiter zu zieh‘n“.

Klar, ich weiß auch: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ich muss jetzt nicht aufzählen, was nicht schön ist und nicht gut läuft in dieser Welt. Es genügt ein kurzer Blick in die News-App oder die Tageszeitung. Wir werden geflutet mit schlechten Nachrichten und Schreckensmeldungen.

Gegen die Schreckensmeldungen seiner Zeit singt der Prophet Jesaja an:

„Wie schön!
Der Freudenbote kommt über die Berge gelaufen!
Er bringt eine gute Nachricht
und verkündet Frieden und Rettung.“

(Jesaja 52,7)

Diese gute Botschaft zieht sich durch den Advent: Gott ist da für uns. Was jetzt noch schlecht läuft, wird Gott zum Guten wenden. Ja, das ist ein Traum. Ein Adventstraum. Ich brauche diese Träume, um zuversichtlich zu bleiben: „Ich finde den Gedanken viel zu schön, viel zu schön, um ohne ihn weiter zu zieh‘n“.

Dr. Karsten Dittmann, Pfarrer

Beitragsfoto: Nadil Jayakody /Pixabay

Impuls zum 2. Advent

Advent – das Erwarten gestalten!

 

backen                putzen                 Glühwein trinken           mit Kindern ins Theater gehen                den Weihnachtsmarkt besuchen          alte Filme gucken          sich das Herz erwärmen lassen             Geschenke kaufen        basteln                 Briefe schreiben             das Zuhause schmücken alte Bekannte treffen            Musik hören und machen                singen                  Gutes tun

 

Der Advent lädt uns dazu ein,
gegen allen Überdruss an Nachrichten, gegen allen Mangel an Zuversicht, gegen alle Irritationen ob globaler Entwicklungen, gegen jeden Frust wegen vergeblicher Mühe, gegen manche Lieblosigkeit, gegen jede Zukunftsangst
das Gute zu erwarten und auch einmal darüber nachzudenken, was ich da eigentlich erwarte,
und das Herz zu öffnen. Einfach so.

Einen frohen zweiten Advent Ihnen und Ihren Lieben und ruhige Adventsdienste

wünscht Ihnen Pfarrerin Stefanie Alkier-Karweick

Foto: pixabay.com

Impuls zum 1. Advent

Polizeibeamte und  -beamtinnen sehen hinter viele Fassaden:

Hinter der repräsentativen Eingangstür liegt das Leid durch häusliche Gewalt.
Hinter dem Lächeln des Zeugen liegt die Lüge zugunsten des Beschuldigten.
Hinter der Unsicherheit einer Jugendlichen liegt die Angst, zurück geschickt zu werden in ein Zuhause, das keines für sie ist.

Die Sehnsucht nach einem heilen Leben wird stärker, je mehr solcher Erfahrungen man macht. Und oft wächst nebenher die Befürchtung, dass die eigene Arbeit letztlich nicht helfen kann …

Ein helles Zuhause, auf das man sich freuen kann, ein warmes Gefühl, mit dem man empfangen wird, eine Welt, in der man sich geborgen fühlt: Alles das brauchen wir Menschen und sehnen uns danach.
Der Advent weckt diese Sehnsucht und lässt sie nicht austrocknen, mit jedem Fensterchen des Adventskalenders auf Weihnachten hin wird sie gestärkt: die Hoffnung darauf, dass diese Welt Friedliches und Freundliches für jede und jeden von uns bereithält. Jeder Arbeitstag in der Polizei hat kann dazu beitragen.

Die Adventszeit hilft, daran zu denken, jeden einzelnen Tag, bei jedem Fenster des Kalenders.

Judith Palm
Polizeipfarrerin 

Foto: iStock

Impuls zum Ewigkeitssonntag

Manchmal fühlt sich Loslassen an wie der Moment, bevor man in kaltes Wasser steigt: ein kurzer Riss im Mut, ein Festhalten aus Gewohnheit. Der Ewigkeitssonntag, der letzte Sonntag im Kirchenjahr, erinnert daran, dass Abschied nicht das Ende der Geschichte ist, sondern ein Übergang. Wir lassen Menschen, Zeiten und Erwartungen los, weil wir sie nicht festhalten können, ohne selbst stehenzubleiben.

Loslassen schenkt Raum: für Erinnerung, die nicht mehr sticht; für Dankbarkeit, die wieder atmen kann; für Hoffnung, die vorsichtig ihre Hand hebt. Vielleicht liegt darin das leise Versprechen: Was wir in Liebe loslassen, verliert sich nicht. Es verändert nur seine Form und begleitet uns auf neue Weise weiter.

So wird Ewigkeit nicht zu einer fernen Idee, sondern zu einem zarten Gegenlicht, das zeigt: Wir gehen weiter, und das Wesentliche geht mit.

Pfr. Stephan Draheim

Foto: epd bild

Impuls zum Buß- und Bettag

Es braucht nur Milisekunden, um jemanden einzuschätzen. Ein kurzer Blick in ein unbekanntes Gesicht genügt. Das läuft völlig unbewusst ab. Bevor mein Kopf sich einschaltet, habe ich längst die Kompetenz oder Vertrauenswürdigkeit meines Gegenübers beurteilt. Kommen Stimme und Gesten dazu, dauert es nur wenige Sekunden, dass ich mir eine erste Meinung bilde – die allerdings außerordentlich schwer wieder zu ändern ist.

Damit bin ich nicht allein. Forschung aus der Wahrnehmungspsychologie bestätigen immer wieder: So ticken wir Menschen. Das steht auch in Verbindung mit dem sogenannten Halo-Effekt: Ist mir eine Person sympathisch, halte ich sie eher für klug und ehrlich. Macht sie etwas falsch, bin ich leichter geneigt, nachsichtig zu sein. Sie trägt quasi einen Heiligenschein (Halo), der die ganze Person und alles was sie tut, in ein freundliches Licht taucht. Der Horn-Effekt bewirkt genau das Gegenteil: Sehe ich Teufelshörner, dann traue ich der Person allerlei Bosheiten zu. Fehler wiegen dann doppelt schwer.

Vermutlich ist das in der menschlichen Entwicklung begründet, dass wir so schnell Urteile fällen. In früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte mag es überlebenswichtig gewesen sein, in Bruchteilen von Sekunden über „gefährlich“ und „harmlos“ zu entscheiden. Halo- und Horn-Effekt sparen Zeit, gehen aber auf Kosten von Wahrheit und Wirklichkeit.

Paulus hat mal davon geschrieben, dass es diesen Effekt bei Gott nicht gibt. Weder ein guter Ruf noch ein schlechter Eindruck können Gott blenden. Gott sieht, was ein Mensch tut – das allein zählt, um jemanden zu beurteilen: Gott ergreift keine Partei. Martin Luther hat das wunderbar so übersetzt: „Es gibt kein Ansehen der Person bei Gott.“ (Römer 2,11)

Wir sind dagegen mit dem Urteil schnell dabei – mit dem positiven wie mit dem negativen. Gott sieht tiefer: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Es ist also kein neuer Gedanke, den Paulus hier notiert, sondern er zieht sich durch die ganze Bibel: Gott sieht durch die Oberfläche der Äußerlichkeiten hindurch und erkennt, wie wir wirklich sind.

Heute ist Buß- und Bettag. In evangelischer Tradition geht es an diesem Tag darum, sich die eigenen Schwächen und Fehler einzugestehen. Es geht auch um unsere verzerrten Wahrnehmungen und schiefen Ansichten. Und vielleicht auch darum in das alte irische Gebet einzustimmen: „Du König der Könige, segne meinen Blick.“

Karsten Dittmann, Pfarrer

 

Foto: pixabay.com