Vereidigungsfeier in Köln

Die Rede vom ltd. Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dietrich Bredt-Dehnen.

Rede zur Vereidigungsfeier 14.3.2013
Lanxess-Arena Köln
Dietrich Bredt-Dehnen, ltd.Landespolizeipfarrerder EKiR

Ich grüße Sie!

Ein Bulle moderierte vor zwei Jahren in der Grugahalle in Essen die Vereidigung von Ihren damals auch 1400 Kolleginnen und Kollegen. Ein besonderer Bulle, der „letzte Bulle“ war es: Henning Baum, aus der gleichnamigen sehr erfolgreichen Krimiserie.

Ich dachte damals, wenn jetzt schon der letzte Bulle auf der Bühne steht…wie soll es da mit der Polizei in NRW weitergehen?

Natürlich spielt Henning Baum eine Rolle.
Er ist der Schimanski des 21.Jahrhunderts. Stark, ungehobelt, charmant, draufgängerisch.Gut, er hat jetzt echte Konkurrenz durch Til Schweiger bekommen…
Ob die beidenmit solchenAttributen in der Polizei NRW die Aufnahmeprüfungen bestanden hätten, die Sie alle erfolgreich hinter sich gebrachthaben, steht auf einem anderen Blatt. Man hat ja verschiedene Bilder von Polizei im Kopf.Manchmal sagt man fast ehrfurchtsvoll von erfahrenen Kollegen: der ist Polizist mit Haut undHaaren…will meinen, für ihn gibt es nur die volle Identifikationmit dem Polizeiberuf auch im privaten Alltag, eben kein Rollenspiel, kein normaler Job oder Beruf, sondern Berufung. Aber geht das? Wollen Sie das? Einmal Polizist, immer Polizist ?
Was macht das mit einem…

Sie alle hier, die heute den Eid sprechen werden, haben sich für den Polizeiberuf entschieden, obwohlsie vielleicht nur eineetwas vageVorstellung von dem haben, was da auf Sie zukommt.Meist machen sich diese Vorstellungen an Bildern, an Vorbildern, an Menschenfest, die einem wichtig geworden sind.Für die einen steht der abwechslungsreiche, spannende Job im Vordergrund, für andere der Wunsch, die Menschen vor Kriminellen zu schützen und für die nötige Sicherheit in unserem Land zu sorgen, für die nächsten natürlich auch die Perspektive einen abgesicherten Beruf zu haben –nicht selbstverständlich in diesen Zeiten.

Und dann sind da die Eltern, die Familie…Es ist nicht so einfach den Sohn, die Tochter -bei allem berechtigten Stolz-diesen nicht ungefährlichen Berufsweg gehen zu lassen.

Es gibt auch klare Erwartungen aus der Bevölkerung, die an Polizisten herangetragen werden: Stärke, Unbestechlichkeit, Sicherheit ist da angesagt.

Aber wer kann so leben und arbeiten?
Immer stark, immer smart, immer sicher?

Jeder von uns kennt doch auch die anderen Momente.

Da fühle ich mich unsicherund gar nicht stark, habe eher Zweifelund viele Fragen als klare Antworten….Darf das eigentlich sein als Polizist?

Natürlich möchte man die besonderen Herausforderungen des Polizeiberufes gut meistern.
Dazu bekommen Sie eine ausgezeichnete Ausbildung, haben in der Regel tolle Trainer und Praxisbegleiter in den Behörden.

Da schaut man dann in den Spiegel (wie sie sicher es heute Morgenmit der neuen Uniform auch gemacht haben)und hofft, dass alle den starken Löwen oder die mutige Löwin sehen…den mutigen Polizisten oder die taffe Polizistin….

Es ist wichtig beides in Einklang in zu bringen. Die eigene wunderbare Kraft, verbunden mit derLust einen tollen Beruf zu erlernenunddie eigene Unsicherheit und Sorge, ob und wie man den Aufgaben gerecht werden kann.Um für Sicherheit nach außen sorgen zu können, braucht jeder von uns seine eigene „innere Sicherheit“.In vielen Gesprächen habe ich mitbekommen, dass erfahrene Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit sobeschreiben, dass sie manchmal das Gefühl haben auf „abrutschenden Abhängen“ zu stehen.

Oder dass manziemlichin der Lufthängt!

Dieses Gefühl haben natürlich nicht nur Polizisten, sondern extrem viele Menschen, die Verantwortung übernommenhaben, egal in welchem Bereich: In Politik, Kirche, Wirtschaft, Verbänden, Familie.

So vieles, was früher selbstverständlich Stabilität und Sicherheit gebracht hat, ist nicht mehr selbstverständlich. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen.Es wird spürbar im Auseinanderbrechen von Familien und Beziehungen, in unsicheren Arbeitsverhältnissen, in einem dramatischen Vertrauensverlust gegenüber der Politik, aber auch gegenüber den Kirchen. Auch die Autorität der Polizei wird vielfach in Frage gestellt. Nichts scheint mehr wirklich sicher und belastbar.

Wenn man aber auf abrutschenden Abhängen steht…wenn man in der Luft hängt, dann muss man versuchen Halt zu gewinnen, wieder tragfähigen Boden unter die Füße zu bekommen. Etwas pflanzen, was Bestand hat.

Dazu ist es wichtig, dieinnere Stabilität zu bewahren.

So wie Sie vielfältige Eingriffstechniken trainierenwerden –so wie Sie Ihren Körperdurch Ihre Uniform und Schutzkleidung vor möglichen äußeren Angriffen schützen lernen,–genauso entscheidend ist, dass Sie Ihre Seele, Ihr Innerstes beschützen.

Denn wer innerlich bewusst gestärkt ist, der kann auch nach außen hin authentisch stark auftreten.Dann muss ich nicht mehr sein als ich bin. Dann kann ich in meinem Gegenüber –egal ob Täter, Opfer, Kollege oder Chef immer den Menschen sehen.Innerlich gestärkt könnenSieals Polizistin und Polizist eine derwichtigsten Aufgaben in unseremLandwahrnehmen undso das Vertrauen inunsere Demokratie undeine bürgernahe Polizei stärken.

Damit geben Sie anderen Menschen einen wichtigen Halt in ihrem Leben.

Sie sind zum Glück nicht der letzte Bulle. Da gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Ihnen auf den Weg machen.

Reden Sie über Ihre Erfahrungen, die Sie machen werden.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich Beratung und Hilfe nach schwierigen Einsätzen oder in persönlichen Krisen holt.Es ist vielmehr Zeichen eines professionellen Verhaltensin einem der herausforderndsten Berufe in unserem Land.

Als Polizeiseelsorge begleiten wir Sie auf diesem Weg.
Machen Sie’s gut!Sie haben einen tollen Beruf gewählt.

Vielen Dank.

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